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Förderprojekt

Fischreiser – von der historischen Fischbewirtschaftung zur Verbesserung der biologischen Vielfalt im Bodensee

Content I Fischreiser

Über Jahrhunderte hinweg gab es Fischreiser im Bodensee: Pfähle, die ins Sediment gerammt werden, bilden den Korb, in den Reisig eingelegt wird. So entsteht ein geschützter Platz für Jungfische. Was einst zur Fischwirtschaft genutzt wurde, könnte heute als Ansiedlungsfläche für junges Leben im Bodensee dienen.

Im Jahr 2019 hat der Projektträger – der Badische Tauchsportverband e. V. (BTSV) und seine Vereine am Bodensee - mit Unterstützung der Taucherinnen und Taucher des Württembergischen Landesverbandes für Tauchsport e. V. (WLT) - nach historischem Vorbild einen Fischreiser am Uferpark West in Überlingen (südlich des Seezeichens 24) neben der Stelle, an der schon im Mittelalter ein „Haldenreiser“ gestanden hatte, angelegt. Das Fischreiser wurde gemäß der wasserrechtlichen Erlaubnis des Landratsamtes Bodenseekreis in einer Tiefe von 10 bis 20 Metern auf einer Grundfläche von fünf mal zehn Metern errichtet. Reiser bestehen aus einem „Kasten“ von Pfählen, die senkrecht in den Boden gerammt werden. In diesem wird Reisig von Laub- und Nadelbäumen eingebracht, die beschwert sind, um ein Auftreiben zu verhindern. An und zwischen den angelegten Strukturen finden viele Fischarten, wie z. B. Zander, Flussbarsch und Hecht ihren Laichplatz. Darüber hinaus bilden die Pfähle ein Anhaftungspunkt für festsitzende Wirbellose, wie Muscheln, Schwämme,
Moostierchen und anderes.

Fischreiser Bilderreihe 1

Webcontent Fischreiser III

Der Projektträger setzt zudem unter Begleitung der wissenschaftlichen Tauchgruppe der Universität Stuttgart (WiTUS) ein Monitoring-Programm um: Hierfür wurden im Juli 2019 sechs Monitoringpunkte an den Pfählen und zusätzlich drei an den Steinen am Seegrund gesetzt und deren Lage mittels Unterwasserskizzen erfasst. Es soll erfasst und dokumentiert werden, ob ein zählbarer Zuwachs an Fischen und Wirbellosen am Fischreiser gesichtet werden kann.

Im Rahmen des Projektes war ursprünglich vorgesehen, die Entwicklung am Fischreiser und die vielfältige Unterwasserfauna und –flora den Besucherinnen und Besuchern der Landesgartenschau Überlingen von April bis Oktober 2020 visuell nahezubringen. Hierzu sollen ein Livestream und andere visuelle Medien eingesetzt werden. Die Themen, die sich am Fischreiser darstellen lassen, wie Habitatstrukturen, Nahrungsnetz, Biodiversität, Neobiota, sollten durch Workshops vertieft werden. Pandemiebedingt konnte die Landesgartenschau in Überlingen allerdings erst 2021 durchgeführt werden. Das Projekt präsentiert sich in einer eigenen Station mit Postern und einem Livestream. Statt der geplanten Workshops wurde eine projektbegleitende Broschüre erstellt und eine digitale Abschlussveranstaltung am 22.04.2021 durchgeführt.

Fischreiser Bilderreihe 2

Content II Fischreiser

Zwei Kameras übertragen Bilder vom „Fischreiser“ per Livestream, mit dem die Zuschauerinnen und Zuschauer erste Ansiedlungen und Aktivitäten am Fischreiser direkt beobachten können. Die Standbilder werden in regelmäßigen Abständen erneuert. Das bringt mit sich, dass die Bilder nachts einfach nur schwarz sind.
 

         
Quelle: Badischer Tauchsportverband e. V.

Wenn es gerade nichts zu sehen gibt, dann schauen Sie sich gerne die Schnappschüsse auf der Internetseite des Badischen Tauchsportverband e. V. an.

Neben Kenntnissen zum Bau eines Fischreisers nach historischem Vorbild wurden auch Kenntnisse zur Fauna am Fischreiser gesammelt. Es wurden 26 Arten bestimmt, die kurz- oder längerfristig den Fischreiser als Lebensraum bzw. Nahrungsquelle für sich genutzt haben. Daneben wurden verschiedene andere Organismen gesichtet, die nicht auf Artniveau bestimmt werden konnten. Mit Hilfe der Unterwasseraufnahmen aus den festinstallierten Kameras konnten die jahreszeitlichen Vorkommen von den großen Jägern am Fischreiser (Kormoran, Haubentaucher, Hecht) sowie deren zeitliche Vorliebe zur Futtersuche ungestört erfasst und ausgewertet werden. Die neu eingebrachten Strukturen helfen die Qualität des Lebensraums für Organismen zu verbessern. Dies gilt allerdings auch für die sich aktuell im Bodensee stark ausbreitende Quagga-Muschel, die sich im Wettbewerb um neue Siedlungsfläche durchsetzt.

Das Projekt hat gezeigt, dass die seit Jahrzenten eingesetzten Fischreiser im Bodensee einen Mehrwert erbringen und daher auch weiterhin eingesetzt werden können.

 

Bildnachweis im Hero:
Tauch-Sport-Club Friedrichshafen, Karl-Heinz Weltz

 


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